PROMPt-Projekt

Primärindikative und optimierte Zuweisung zu gezielten Maßnahmen bei emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern

Überblick bzw. Daten & Fakten

Emotionale und Verhaltensprobleme beginnen im Kindesalter mit oft weitreichenden Folgen. Schätzungen zur Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten in Deutschland zeigen, dass 22% der Kinder und Jugendlichen im Alter von eins bis 16 Jahren klinisch bedeutsame emotionale Probleme (z.B. Rückzug, Angst und Depressivität) oder Verhaltensauffälligkeiten (z.B. häufiges Trotzverhalten und Wutausbrüche, Aggression und Hyperaktivität) aufweisen (Ravens-Sieberer, Wille, Bettge, & Erhart, 2007).

In Deutschland sind etwa 7.4% der drei- bis sechsjährigen und 7.8% der sieben- bis zehnjährigen von emotionalen oder Verhaltensauffälligkeiten betroffen (Hölling, Erhart, Ravens-Sieberer, & Schlack, 2007). Emotionale und Verhaltensprobleme können Entwicklungspfade maßgeblich ungünstig beeinflussen (Hertzman & Power, 2003), führen sie doch häufig zu einem vorzeitigen Verlassen der Schule, Substanzmissbrauch und einer schwierigen Erwerbsbiographie (Powell, Lochman, & Boxmeyer, 2007). Zudem sind Betroffene auch einem höheren Risiko für weitere psychische Störungen ausgesetzt, z.B. der Entwicklung ausgeprägter Angst-, Depressiver, Somatoformer-, Substanzkonsumstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten (Beesdo‐Baum & Knappe, 2014).

Diese Kaskade verursacht enorme Kosten im Gesundheits- und Sozialwesen wie etwa Behandlungskosten, Einbußen durch eine geringere Teilhabe und eingeschränkte Produktivität im Arbeitsleben (Gustavsson et al., 2011). Unerkannt und unbehandelt sind emotionale und Verhaltensprobleme mit enormen individuellen und gesellschaftlichen Kosten verbunden.

Vor diesem Hintergrund ist es für uns als Studienteam ein Anliegen, diesen möglichen Konsequenzen frühzeitig mit gezielten Maßnahmen entgegenzuwirken, um somit dem Erhalt der psychischen Gesundheit und der gesunden sozialen, geistigen und körperlichen Entwicklung der Kinder aktiv zu unterstützen.


Ziel

Ziel ist eine frühzeitige Identifikation von Kindern mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von emotionalen (i.B. Angst-) und Verhaltensstörungen (i.B. ADHS, Störung des Sozialverhaltens) in der Routineversorgung und deren unmittelbare Zuweisung zu einem etablierten Präventionsprogramm, bzw. im Falle einer deutlichen Symptomlast zur weiteren Abklärung und spezialisierten ambulanten/stationären Behandlung zu belegen.


Nutzen

Unmittelbar profitieren die teilnehmenden Kinder und Familien, indem -initiiert durch die Studieninstrumente- eine frühzeitige Diagnostik, eine damit verbundene Empfehlung und gegebenenfalls Teilnahme an einem etablierten Präventionsprogramm erfolgt.

 Das langfristige Ziel besteht in der routinemäßigen, bevölkerungsbasierten Identifikation von Risikogruppen und der Senkung der Auftretenshäufigkeit psychischer Störungen über die Region hinaus durch gezielte Prävention und Frühintervention.


Ablauf

 Im Rahmen der regulären Gesundheitsuntersuchungen (U-Untersuchungen, U9: 5- 6 Jahre, U10: 7-8 Jahre, U11: 9-10 Jahre) werden in enger Kooperation und basierend auf einem Selektivvertrag zwischen der AOK PLUS und Kinderärzten in Dresden Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren anhand des etablierten Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) zu Verhaltensauffälligkeiten und -stärken untersucht.

Die Befragung findet während der Wartezeit statt, indem vom Praxispersonal die Fragebögen an die Eltern ausgegeben und freiwillig ausgefüllt werden. In Abhängigkeit von den erzielten Werten und dem damit einhergehenden Risikostatus werden die Kinder entsprechend zu keiner Intervention, zu einem etablierten Präventionsprogramm (Til Tiger Trainingsprogramm oder Baghira-Training) oder zur weiteren Diagnostik an regionale Ansprechpartner verwiesen.

Jede Familie erhält von Ihrem Kinderarzt Rückmeldung zu den Ergebnissen der Befragung. Zudem erhalten Sie möglicherweise bei diesem Gespräch eine Empfehlungen zur Teilnahme an einem Präventionsprogramm. Wenn dies der Fall sein sollte, gibt Ihr Kinderarzt Ihnen weitere Informationen zur Kostenübernahme, zu wohnortnahen Präventionsangeboten und Ansprechpartnern. Bei diagnostischer Unsicherheit erfolgt eine Überweisung in die ambulante/stationäre Versorgung zur weiteren Abklärung und Indikationsstellung.

Im Falle der Empfehlung eines Präventionsprogramms und der Vorstellung der Familie, werden von dem Minderjährigen eine Einverständniserklärung sowie eine Einwilligungserklärung eines Sorgeberechtigten eingeholt. Nur bei Vorliegen der Einwilligung kann die Teilnahme an einem Programm erfolgen.